Ein Treffen mit anderen im Wohnmobil Lebenden hat meist folgende Konstellation: Pro Wohnmobil leben im Schnitt 1,5 Menschen und 1 Hund. Viele reisen alleine mit Hund, manche Paare ohne Hund, andere wieder leben mit zwei oder drei Hunden im Wohnmobil. Die Quote ist also recht hoch, doch wie kommt das?


Erst der Hund oder erst das Wohnmobil?

Was war zuerst da, der Hund oder das Wohnmobil?

Mit Hund im Wohnmobil leben

Bei mir war es der Hund. Ich habe mich damals, das war im Jahre 2015, bewusst für den Roadtrip mit dem Camper entschieden. Denn mit einem großen, schwarzen, alten Hund durch Europa zu tingeln, das geht auf eigenen vier Rädern immer noch am Besten. Viele Wohnmobilreisende haben diese Reiseform gewählt, einfach weil sie ihre Hunde mit in den Urlaub nehmen möchten. So hat es bei vielen angefangen.

Andere hatten erst das Wohnmobil – und sich dann dazu entschlossen, einen vierbeinigen Reisebegleiter bei sich aufzunehmen. Was bisher vielleicht nicht möglich war, vielleicht weil man in einer Stadt gewohnt hat, in einer Wohnung mit Hundeverbot, oder einfach wegen der Arbeit, wurde nun möglich. So hat man sich den Wunsch, einen Hund zu haben, endlich erfüllen können. Manchmal kommt diese Entscheidung aber auch ganz spontan. Insbesondere wer im Süden unterwegs ist, trifft zwangsläufig Hunde, die kein zu Hause haben. Die Anschluss suchen, und sich einem ins Herz schleichen.


Hunde sind die idealen Reisebegleiter

Beginnen wir doch mit den Vorzügen, die es hat, mit einem Hund durch die Gegend zu ziehen.

Hunde sind Rudeltiere. Sie sind glücklich, wenn ihr Mensch bei ihnen ist, alles andere ist nebensächlich. Zumindest gilt das für Hunde ohne „Vorschäden“. Egal, wie klein der Camper ist, und egal wie groß der Hund ist, einer passt immer rein. Die Größe ist wirklich nebensächlich, außer vielleicht man möchte mit einem Leonberger reisen. Aber ansonsten ist es nicht wirklich relevant, der Hund liegt sowieso immer im Weg rum, egal wie groß er ist.

Ein Hund ist immer auch ein Garant für soziale Kontakte – kein zu unterschätzender Punkt, gerade wenn man alleine reist. Gut, bestimmte Rassen kommen nicht überall gut an – wobei das sehr auf das Reiseland ankommt. Und auf das Auftreten des Hundes natürlich. Ein entspannter Rottweiler wird mehr Fans haben als ein aufdringlicher Golden Retriever. Der gut sozialisierte Hund wird immer und überall neue Hundekumpels kennen lernen – und oft kommt man mit deren Besitzer ins Gespräch. Strandspaziergänge sind dafür prädestiniert.

An einem Ort angekommen, packen andere die Markise aus, Du packst erstmal deinen Hund aus und erkundest mit ihm die Gegend. So habe ich bereits manch eine Perle von Freistehplatz gefunden. Oder bin bei Sturm oder bei Sonnenaufgang an den Atlantikstrand gegangen – was ich ja sonst nie gemacht hätte. Einige bleibende Eindrücke haben sich durchaus einfach dadurch ergeben, dass ich eine Gassirunde gedreht habe.

Der Hund ist vor allem eines: ein guter Kumpel auch an schlechten Tagen. Bist Du alleine unterwegs, bist Du doch nicht alleine, denn er ist an Deiner Seite. Bist Du zu Zweit unterwegs, kann eine Gassirunde für den nötigen Abstand sorgen, den man als Paar im Wohnmobil lebend hin und wieder mal brauchen kann.


Probleme, die es geben kann

Das Leben im Wohnmobil findet auf engstem Raum statt.

Der Raum wird mit einem Hund nicht gerade größer, im Gegenteil. Je nach Hund und eigenem Bedürfnis an Hundezubehör kann der Vierbeiner recht viel Platz einnehmen. Das kann auch vom Reiseland abhängig sein: so nehmen wir beispielsweise recht viel Hundefutter mit, geht es außerhalb Europas auf Tour. Marokko beispielsweise hat ein überschaubares Hundefutterangebot. Sicher kann man auch was vom Metzger holen und selbst für den Hund kochen. Aber da habe ich keine große Lust zu. Abgesehen davon haben wir nicht viel mit: Hundenäpfe, Halsband und Leine, und eine kleine Hundeapotheke.

Ein schlecht sozialisierter Hund ist ja grundsätzlich anstrengend – ich weiß da, wovon ich rede, mein erster Hund konnte ein ziemliches Ekel sein. Das Leben im Wohnmobil bringt immer wieder neue Standortwechsel und neue Hundebegegnungen mit sich. Sind diese grundsätzlich angespannt, kann das ziemlich nerven.

Ähnlich nervig ist es mit einem Jäger. Der Vorteil vom Wohnmobilleben ist ja, dass man als naturliebender Mensch ganz nahe an der Natur wohnen kann. Also da, wo die Hasen wohnen, und die Schafe einem morgens ums Auto streichen.

Das Wetter ist auch noch eine Erwähnung wert. Drei Tage Regenwetter, das kann man schonmal im Wohnmobil aussitzen. Drei Tage im Wohnmobil mit dem Hund hocken, das wird dann eventuell grenzwertig. Der Hund riecht nicht nur wie nasser Hund, er fühlt sich auch so an. Und der hyperaktive Junghund bekommt schnell einen Lagerkoller. Unsere junge Hündin pennt inzwischen durchaus mal einen halben Tag durch, dann aber ist die Geräuschkulisse im Wohnmobil zwischenzeitlich enorm. Leider quietscht sie eine Oktave zu hoch, da helfen noch nicht einmal die guten Noise Cancelling Kopfhörer.

Augen auf bei der Wahl des Reiseziels. Islamisch geprägte Gesellschaften haben es grundsätzlich nicht so mit Hunden. Es kommt aber auch sehr auf einen selbst und auf den eigenen Hund an. So sind in Marokko flauschige, wuschelige und kleine Hunde eine Besonderheit, die jeder mal anfassen möchte. Das ist jetzt je nach Hund gut oder weniger gut. Dass die Menschen überhaupt nicht wissen, wie man auf einen Hund zugeht, ist die nächste Sache. Aber da hier Körpersprache gefragt ist, kann man es ja auch mit Sprachbarriere leicht zeigen, wie es richtig geht.


Einreise- und Rückreisebestimmungen

Grenzüberschreitungen sind innerhalb von Europa meist kein Problem. Darüber hinaus sollte man sich jedoch gut vorbereiten.

Grundsätzlich ist es kein Fehler, wenn der Wohnmobilhund durchgeimpft ist. Tollwut ist sicherlich die wichtigste Impfung, einfach weil sie in vielen Ländern auch vorgeschrieben ist. Andere Impfungen sind deshalb sinnvoll, weil der Hund auf Reisen doch öfters in Kontakt mit anderen Tieren kommt.

Durch Parasiten übertragene Krankheiten sehe ich als das Hauptproblem an. Leishmaniose wird durch die Sandmücke übertragen, Borreliose durch die Zecke, und da gibt es noch eine ganze Reihe von anderen kleinen, fiesen Viechern, die fiese Krankheiten im Gepäck haben. Man kann seinen Hund nicht gegen alles schützen. Aber man kann die größten Gefahren eines Reiselandes ermitteln, und schauen, welche präventiven Maßnahmen Sinn machen. So haben unsere Hunde in Marokko ein Scalibor-Halsband an.

Sobald man Europa verlässt, sollte vor allem der Tollwutschutz nachweislicht vorhanden sein. Dazu gehört ein Tollwut-Titer-Test und eine aktive Impfung. Das ist wichtig für die Wiedereinreise in die EU. Bestimmte Länder brauchen noch mehr, beispielsweise möchte Tunesion wohl ein Gesundheitszeugnis sehen. Also erst informieren, dann fahren!


Hund im Wohnmobil? Ja, bitte!

Nachdem mein erster Hund verstorben ist, wollten wir uns eigentlich keinen neuen Hund mehr holen. Hatten ja noch einen. Doch irgendwie kam es anders, und schon hatten wir einen jungen Wirbelwind im Wohnmobil. Und es ist einfach schöner mit Hund. Kuscheln, spielen, an die frische Luft kommen, mit den Nachbarn ins Gespräch kommen – ein Hund macht meist mehr Freude als Ärger oder Arbeit. Zumindest uns.

Klar, man kann auch Pech haben, oder die Erziehung verbocken, oder der neue Hund verträgt sich nicht mit dem Alten. Kenne ich alles. Umso mehr bin ich jetzt froh, dass unsere beiden Hunde sich vertragen und mögen, und dass sie uns mehr Freude machen als dass sie uns nerven. Sie gehören einfach zur Familie.

Wenn Du also mit dem Gedanken spielst, dir einen Hund zuzulegen, um mit ihm / ihr im Wohnmobil zu leben: ich halte das für eine sehr gute Idee! Und ich bin mir sicher, dass es ein Tierheim in Deiner Nähe gibt, mit denen Du reden kannst. Frag sie, ob Du bei ihnen eine Woche lang aushelfen kannst, die Hunde versorgen. Das gibt Dir genug Zeit, um Dir in aller Ruhe einen neuen Weggefährten auszusuchen.

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